Die globale Chirurgie braucht Veränderung: Mercy Ships zeigt den Weg
Entdecken Sie die Vision von Dr. Shérif Emil, Internationaler Medizinischer Direktor bei Mercy Ships. Von der Ingenieurwissenschaft bis zur Kinderchirurgie erzählt er seinen Werdegang und vermittelt seine Sicht auf eine nachhaltigere, inklusivere und gerechtere weltweite Chirurgie, die auf Zusammenarbeit baut.
Mein Weg in die Medizin war nicht konventionell. Obwohl ich in einer Familie von Ärztinnen und Ärzten aufgewachsen bin, suchte ich zunächst meinen eigenen Weg. Ich begann meine Laufbahn im Ingenieurwesen, merkte jedoch schnell, dass mir etwas Entscheidendes fehlte: der menschliche Aspekt. Deshalb kehrte ich zur Medizin zurück zu dem, was ich heute als meine Berufung betrachte: zu dienen, Beziehungen aufzubauen und das Leben von Kindern durch chirurgische Eingriffe zu verändern.
Getrieben von diesem Wunsch nach Nähe und Austausch absolvierte ich die Ausbildung in Chirurgie und anschliessend in Kinderchirurgie. Ich engagierte mich immer stärker für die globale Gesundheitsversorgung und schloss mich schliesslich Mercy Ships an. Mein Einsatz für benachteiligte Gemeinschaften wurde durch die Arbeit meiner Eltern geweckt, die als Ärztin und Arzt in ländlichen Regionen Nigerias tätig waren. Dadurch entstand in mir der Wunsch, mein Leben der chirurgischen Versorgung derjenigen zu widmen, die sie am dringendsten benötigen.
Für mehr Gerechtigkeit, lokales Leadership und Zusammenarbeit
Im Laufe meiner Karriere habe ich sowohl in hochmodernen Spitälern als auch in einigen der benachteiligsten Umgebungen der Welt operiert. Die globale Chirurgie ist eine vielfältige und facettenreiche Aufgabe. Kurzzeiteinsätze und humanitäre Arbeit leisten einen wichtigen Beitrag dazu. Doch künftig muss der Erfolg der globalen Chirurgie auf Gerechtigkeit, lokalem Leadership und nachhaltiger Zusammenarbeit basieren.
Mercy Ships betreibt die grössten zivilen Spitalschiffe der Welt und ermöglicht chirurgische Versorgung für Menschen, die sonst keinen Zugang dazu hätten. Doch unsere Arbeit geht über Operationen hinaus: Es geht um echte Partnerschaften darum, gemeinsam mit afrikanischen Gesundheitsministerien, Regierungen, Chirurginnen und Chirurgen, Pflegefachpersonen und Spitälern Systeme für eine nachhaltige Gesundheitsversorgung aufzubauen.
« Die meisten unserer freiwilligen Chirurginnen und Chirurgen kommen traditionell aus Ländern mit hohem Einkommen, und das wollte ich ändern. » - Dr Shérif Emil
Im Laufe meiner Jahre bei Mercy Ships – zuerst als Freiwilliger und später als Berater mit Schwerpunkt Kinderchirurgie – konnte ich den Unterschied erkennen, den dieser zweite Ansatz bewirkt. Ich hatte das Privileg, selbst ausgebildet zu werden und andere auszubilden. Ich habe mit anerkannten afrikanischen Führungskräften im Bereich Chirurgie in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen zusammengearbeitet, die ihre eigenen Gesundheitssysteme neu gestalten – nicht nur für heute, sondern auch für kommende Generationen.
Die meisten unserer freiwilligen Chirurginnen und Chirurgen kommen traditionell aus Ländern mit hohem Einkommen, und das wollte ich ändern. Noch bevor ich Internationaler Medizinischer Direktor wurde, habe ich der Programmleitung von Mercy Ships einen Vorschlag unterbreitet, um Kinderchirurginnen und -chirurgen aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen finanziell zu unterstützen, damit sie in ihren Ländern Freiwillige rekrutieren und unsere chirurgische Fachkompetenz vielfältiger aufstellen können. Der Vorschlag wurde gut aufgenommen und wir sind dabei, ihn umzusetzen.
Dr Justina, eine herausragende Chirurgin
Dieses Modell wurde kürzlich an Bord der Global Mercy veranschaulicht, als wir Dr. Justina Seyi-Olajide empfingen – die erste afrikanische Kinderchirurgin, die als Freiwillige bei Mercy Ships tätig wurde. Als anerkannte Kinderchirurgin und führende Persönlichkeit in ihrem Fachgebiet in Nigeria war ihre Anwesenheit nicht symbolisch, sondern zentral. Sie verkörpert einen Wandel darin, wie wir globale Gesundheit betrachten sollten: nicht als «Wir helfen Afrika», sondern als «Wir dienen und lernen gemeinsam».
Die Expertise, das kulturelle Verständnis und das Leadership von Dr. Seyi-Olajide entsprechen genau den Bedürfnissen der weltweiten chirurgischen Gemeinschaft. Ihr Engagement zeigt jungen afrikanischen Chirurginnen und Chirurgen, dass sie nicht nur da sind, um Wissen zu empfangen, sondern auch um es weiterzugeben, zu teilen und die Zukunft der Versorgung in ihrem eigenen Land und darüber hinaus mitzugestalten.
Eine talentierte Generation, bereit sich zu engagieren
Der Bedarf an Kinderchirurgie in Afrika ist enorm. Doch das Potenzial ist ebenso gross. Wir sehen eine neue Generation talentierter und engagierter afrikanischer Chirurginnen und Chirurgen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Unsere Aufgabe bei Mercy Ships besteht darin, unsere afrikanischen Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen und zuzuhören, mit ihnen zusammenzuarbeiten und nicht, ihnen im Weg zu stehen. Wir investieren in Ausbildungsprogramme, stärken lokale Systeme und sorgen dafür, dass die Versorgung lange nach dem Auslaufen unserer Schiffe weitergeht.
Im Bereich der globalen Chirurgie reichen gute Absichten nicht aus. Wir müssen die Fallstricke früherer Ansätze vermeiden, bei denen Hilfe unbeabsichtigt Schaden verursachen, lokale Expertise übergehen oder Abhängigkeiten schaffen konnte. Es gibt Konzepte über Versäumnisse der humanitären Medizin und über Ungleichheiten, die noch immer zu häufig auftreten. Doch wir können es besser machen. Wir können Ungleichheiten im Gesundheitssystem abbauen – wir sind ein lebendiges Beispiel dafür.
« Unsere Aufgabe bei Mercy Ships besteht darin, unsere afrikanischen Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen und zuzuhören, mit ihnen zusammenzuarbeiten und nicht, ihnen im Weg zu stehen. » - Dr Shérif Emil
Bei Mercy Ships entwickeln wir ein anderes und nachhaltiges Modell. Nach sechs Monaten in meiner neuen Funktion als Internationaler Medizinischer Direktor bleibe ich fest entschlossen, diese Vision weiterzuentwickeln – eine Vision, die afrikanische Stimmen ins Zentrum stellt, der Ausbildung Priorität gibt und Kindern sowie Familien, die es am dringendsten brauchen, sichere und lebenswichtige Operationen ermöglicht. Wir hoffen, damit noch mehr Chirurginnen und Chirurgen in ganz Afrika gewinnen zu können.
Die Zukunft der globalen Chirurgie muss kooperativ, inklusiv und gerecht sein. Ich bin überzeugt, dass die NGO Mercy Ships dazu beitragen kann, den Weg aufzuzeigen – nicht allein, sondern Hand in Hand mit den Menschen, denen wir dienen.
- 8 Dezember 2025
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