Mercy Ships-Länderdirektor in Liberia

“Wir wollen und müssen mit anderen zusammenarbeiten, damit wir mit unserer Mission Erfolg haben.”

Interview von Keith Brinkman

Keith, Sie sind jetzt der Mercy Ships-Länderdirektor in Liberia. Sie arbeiten und leben in Monrovia.

Ich bin seit November 2020 der Mercy Ships-Landesdirektor in Liberia – es ist eine neue Position. Wir wollen uns über einen längeren Zeitraum besser im Gastland engagieren, und da ist es Teil der Strategie, eine erfahrene Führungskraft und ein Team im Land zu haben. Im November 2019 zog ich nach über 12 Jahren aus meiner Kabine #4236 auf der Africa Mercy aus und wechselte zum Mercy Ships International Support Centre in Texas, bis ich nach Liberia zog. Hier lebe ich jetzt und habe meine Aufenthaltsgenehmigung, meinen liberianischen Führerschein, eine Wohnung und ein Fahrzeug.

Welche Ziele wollen Sie mit Ihrem Team erreichen?

Unser Ziel ist es, wieder mit der Regierung, den Botschaften, Verbänden, NGO-Gemeinschaften und allen unseren Partnern vor Ort zusammenzuarbeiten. Gemeinsam bringen wir Hoffnung und Heilung für die wunderbaren Menschen in Liberia.

Wie viel “afrikanisches Abenteuer” erleben Sie täglich?

Es ist definitiv keine Safari hier in Monrovia, Liberia. Das Leben hier bietet sicherlich regelmässig Überraschungen und Herausforderungen. Manchmal wacht man morgens auf und denkt, man hat den Plan für den Tag … und dann kommt alles anders. Aber das passiert an vielen Orten auf der Welt.

Mercy Ships arbeitet mit der Regierung, dem lokalen Gesundheitspersonal und anderen NGOs zusammen, die sich ebenfalls im Land engagieren. Was sind Ihre persönlichen Erfahrungen mit diesem Partnerschaftsmodell?

Mercy Ships ist sehr dankbar für die Partnerschaft mit der Regierung des Gastlandes, welche auf einem unterzeichneten Protokoll basiert. Innerhalb der Regierung arbeiten wir vor allem mit dem Gesundheitsministerium, dem Verkehrsministerium, dem Finanzministerium usw. zusammen. Mercy Ships hat mit einigen der grösseren Organisationen, die im Land präsent sind, Vereinbarungen zur Zusammenarbeit getroffen. Wir nehmen immer Kontakt mit ihnen auf und suchen nach Möglichkeiten der Mitwirkung. Innerhalb eines Landes gibt es, je nach Entwicklungsstand, andere Nichtregierungsorganisationen, mit denen wir zusammenarbeiten – manche offiziell mit einem “Memorandum of Agreement”. Viele Liberianer kennen Mercy Ships noch aus der Vergangenheit und sind begeistert, dass wir wieder da sind. Wir wollen und müssen mit anderen zusammenarbeiten, damit wir mit unserer Mission Erfolg haben.

Alle reden von “nachhaltiger Wirkung”, um den langfristigen Erfolg des Engagements einer NGO in einem Land zu messen. Welche Beispiele fallen Ihnen ein, die zeigen, welche nachhaltige Wirkung Mercy Ships in Liberia erzielt hat?

Gute Frage – etwas, worüber wir in der Vergangenheit gesprochen, aber nie wirklich viel in die Tat umgesetzt haben, als wir das letzte Mal in Liberia waren – vier Besuche zwischen 2005 – 2008. Jetzt schreiben wir das Jahr 2021, und es ist so schwierig, die Wirkung von vor so langer Zeit bis heute zu messen. Ich war Mitglied des Evaluierungsteams, das 2010 nach Liberia zurückkehrte, und wir haben erfahren, dass es mehr gemeindebasierte Projekte gibt, die am besten von denjenigen durchgeführt werden, die langfristig im Land sind – wir wissen, dass unsere Stärken in der Chirurgie und der chirurgischen Ausbildung liegen. Jetzt befasst sich ein kleines Team unserer Abteilung “Internationale Programme” mit der Wirkungsmessung und -kontrolle. Im Moment sind sie mitten in ihrem Projekt und wir freuen uns darauf, von ihnen zu hören. Bei der Vorbereitung von Projekten hier in Liberia schauen wir genau hin, was nötig ist, damit wir eine nachhaltige Wirkung auf dieses Land haben.

Sie arbeiten schon seit vielen Jahren mit Mercy Ships zusammen. Was sind die “Highlights” in Ihrer Karriere bei Mercy Ships?

Ich kam 1989 zu Mercy Ships und war fünf Jahre lang im internationalen Büro in Texas tätig, bevor ich von 1994 bis 2005 als Finanzdirektor auf die Caribbean Mercy wechselte – ich eröffnete unsere Bankkonten und schloss sie am Ende, als das Schiff in den Ruhestand ging. So wechselte ich nach 15 Jahren in der Finanzabteilung in die Abteilung “Programme” und “Executive Department” in Afrika auf der Anastasis und später der Africa Mercy. Meine Highlights in den Ländern, die wir besuchen, sind die Menschen – seien es Patienten, Pfleger, Schulungsteilnehmer, Kollegen, Tagescrew (einheimische Mitarbeitende), Partner und andere. Wenn ich an ein Land denke, denke ich an die Menschen, die ich dort kenne. Bei einigen habe ich das Privileg, sie in ihrem Zuhause zu besuchen. Mit vielen, die Zugang zu Internet, Facebook und WhatsApp haben, bleibe ich in Kontakt.

Mercy Ships hat eine Strategie entwickelt, die viel mehr “Einsätze unabhängig von den Spitalschiffen” beinhaltet. Wie fühlt es sich an, für uns zu arbeiten, weit weg von unserem Schiff, seiner wunderbaren Crew und all dem Komfort an Bord?

Ja, als Organisation haben wir vielfältige Formen des Engagements in den diversen Ländern entwickelt, wobei die Anwesenheit des Spitalschiffs nach wie vor ein Faktor ist. Wir prüfen, wie wir uns in einem Land engagieren können, wie wir das Gesundheitssystem stärken und welche Aufgaben wir übernehmen können – für einige dieser Massnahmen ist die Anwesenheit des Spitalschiffs erforderlich, für andere nicht. Ich vermisse es, abends durch die Spitalstation zu gehen und Patienten und Pfleger zu besuchen. Als Alleinstehender habe ich keine Frau und Kinder, die in der Kabine auf mich warten, und so habe ich es genossen, Beziehungen zu unseren Patienten aufzubauen. Es hat seine Vorteile, an Bord in einer Mercy Ships-Gemeinschaft zu leben. Das vermisse ich, ebenso wie die zuverlässige Versorgung mit Wasser, Strom und anderen Dienstleistungen, die an Land oft schwieriger ist. (Durch einen Stromstoss ist mein Ladegerät geschmolzen, und mein persönlicher Computer funktioniert jetzt nicht mehr, und es gibt keine Computer-Reparaturwerkstatt um die Ecke!)

Die Covid-Pandemie hat uns alle betroffen. Wie ist die Situation in Liberia? Wie wirkt sich das auf Ihre aktuelle Arbeit dort aus?

Die COVID-19-Zahlen in Liberia, aber auch auf dem gesamten afrikanischen Kontinent, sind niedrig. Ich prüfe sie täglich. Die Auswirkungen auf unsere Arbeit hängen mit den Reisebeschränkungen zusammen. Reisen in, aus und durch Liberia waren in der Vergangenheit eine grosse Herausforderung. Aber mit den gegenwärtigen Beschränkungen und Testanforderungen für internationale Flugreisen sowie dem Zeitplan für die Test-Probenentnahme und das rechtzeitige Erhalten der Ergebnisse ist alles viel schwieriger geworden. Glücklicherweise konnten wir uns weiterhin mit den Menschen hier in Liberia treffen – immer daran denkend, dass wir uns die Hände waschen, unsere Masken tragen und den gebotenen Abstand einhalten müssen. Wir haben auch umfangreiche Mengen persönlicher Schutzausrüstung (PSA) an Spitälern kostenlos verteilt.

Keith, vielen Dank für dieses Interview. Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihre Arbeit in Liberia.

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René Progin
René Progin
René Progin ist Kommunikations- und Medienverantwortlicher von Mercy Ships Schweiz.

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