Pierres Geschichte

In Afrika können unbehandelte Krankheiten zu Komplikationen führen, die anderswo hätten verhindert werden können. Bei Pierre hat eine Infektion, die wohl mit Antibiotika behandelbar gewesen wäre, über mehr als zehn Jahre schwere Folgen hinterlassen. Heute hat er sein Lächeln wiedergefunden.

Ein starker Körper, ausgebremste Energie

Mit zwölf Jahren weiss Pierre, dass es in seinem Dorf zum Erwachsen werden gehört, auf den Feldern mitzuhelfen. Seine drei älteren Brüder haben diesen Schritt stolz gemeistert und arbeiten regelmässig an der Seite ihres Vaters.

Pierre hätte denselben Weg eingeschlagen, wäre er nicht sechs Monate nach seiner Geburt von einem tragischen Ereignis getroffen worden: In seinem Gesicht entwickelte sich eine schwere Infektion und breitete sich auf seine Arme aus, wo grosse, offene Wunden entstanden.

Seine Eltern suchten nach einer Behandlung und gaben dafür das Wenige aus, das sie besassen. Mit der Zeit heilte die Infektion glücklicherweise ab, doch die Narbenbildung zog die Haut seines rechten Arms zusammen, sodass Unterarm und Bizeps miteinander verwuchsen. Sein Ellbogen, sein Handgelenk und mehrere Finger blieben über ein Jahrzehnt hinweg unbeweglich.

Stärke und Durchhaltewillen

Mit den Jahren lernt Pierre, sich anzupassen. Wenn er das Velo seines Vaters ausleiht – eine seiner Lieblingsaktivitäten – passt er seinen Griff am Lenker an und findet trotz einer gebückten Haltung, die viel Konzentration erfordert, ein gewisses Gleichgewicht. Er entwickelt Techniken, um seinen verkrümmten Arm zu nutzen, sodass er gelegentlich sogar seinem Vater auf den Feldern helfen kann.

In der Schule besucht er den Unterricht gerne, doch der Alltag ist hart.

«Die anderen machten sich wegen meines Arms über mich lustig», sagt er uns.

Zum Glück gibt er nicht auf.

Zehn Jahre Leid, zehn Stunden Operation

Jahre später keimt neue Hoffnung: Ein Spitalschiff ist soeben in Madagaskar eingetroffen. Beim Screening erkennen unsere Chirurgen, dass sein Fall komplex sein wird. Um seinen Arm zu befreien, muss ein Muskel aus seinem Bauch entnommen und die Blutgefässe unter dem Mikroskop wieder verbunden werden.

Die Operation dauert über zehn Stunden. Als Pierre aufwacht, sieht er, dass sein Arm gerade ist – wie durch ein Wunder. Doch da sich seine Muskeln nie entwickeln konnten, steht ihm eine dreimonatige, intensive Rehabilitation bevor. Die Fortschritte geschehen langsam und benötigen die stetige Wiederholung vieler Übungen. Das Team erfährt, dass er Velos liebt – also entwickeln sie einige Übungen, die er auf dem Quai durchführen kann, um seinen Arm zu stärken und gleichzeitig Freude zu haben.

Freigesetzte Energie

Am Ende seiner Genesung tanzt Pierre unter dem Applaus unserer Freiwilligen durch den Spitalflur und feiert seine Heilung. Bei seiner Rückkehr ins Dorf sind alle überwältigt.

Sein Vater, überglücklich, schlachtet zwei Ziegen, um ein Festmahl zu bereiten.

Die Veränderung ist beeindruckend:

«Früher konnte ich keine Werkzeuge halten. Jetzt schon.»

Sein Vater schaut ihn stolz an:

«Ich wünsche mir, dass er ein Mann wird wie die anderen. Sogar besser als ich.»

Eine Überrschung für Pierre

Das Mercy Ships Team hat noch eine Überraschung: Einige Freiwillige haben Geld gesammelt, um ihm ein Velo zu schenken. Und diesmal kann Pierre aufsteigen, ohne sich bücken zu müssen. Auf in ein neues Leben!

Mercy Ships bringt Hoffnung und Heilung. Helfen Sie jetzt und unterstützen Sie Menschen wie Pierre – denn jede Spende zählt. Ob einmalig oder regelmässig: Jetzt spenden.

Pierre after surgery, riding on the bike he received from Mercy Ships

Plastische wiederherstellende Chirurgie

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