Paul Pascals Geschichte

Seit seiner Geburt kämpft Paul Pascal ums Überleben. Weil er nicht richtig saugen konnte, verlor er zur grossen Verzweiflung seiner Eltern immer mehr an Gewicht. Doch im letzten Moment bekam er noch eine Chance.

Die Africa Mercy ist gerade im Hafen von Douala angekommen und unsere Mitarbeiter sind an den letzten Vorbereitungen für die offizielle Eröffnung des Bord¬spitals. Noch wenige Tage und die ersten Patienten werden die Gangway heraufklettern! Aber da ist eine verzweifelte Frau, die schon jetzt Hilfe sucht. Auf den Armen hält sie in eine Decke ein¬gehüllt einen kaum 3 Monate al¬ten Säugling. Unsere Mitarbeiter sind entsetzt, als sie das völlig ge¬schwächte Kleinkind sehen. Seine Haut ist so dünn wie Papier und man kann alle Knochen sehen.

Seit drei Monaten ist das Leben von Françoise ein Alptraum. Tag und Nacht kämpft sie darum, ihr Baby zu ernähren, das ständig schreit vor Hunger und von Tag zu Tag schwächer wird. Der Klei¬ne ist mit einer beidseitigen Lip¬pen- und Gaumenspalte geboren und kann deshalb nicht saugen. Die Nächte sind lang, in denen Françoise vergeblich versucht, ihr Kind zu beruhigen und in den Schlaf zu wiegen. Am Tag sind es die gehässigen und verletzenden Kommentare, die ihr zusetzen und den Kleinen sogar als Mons¬ter bezeichnen.

Unsere Mitarbeitenden nehmen die beiden sofort an Bord auf, denn sie sehen, dass Paul Pas¬cal unbedingt zunehmen muss, wenn er überleben soll. Die Waa¬ge zeigt ein mageres Resultat von 2’060 Gramm an, eineinhalb Kilo weniger als bei der Geburt. Das ist weit unter aller Norm. Normal wäre in diesem Alter ein Gewicht zwischen 5 und 8 Kilo!

Als Soforthilfe führen unsere Pflegenden dem Kleinen eine Nasensonde ein, durch die sie ihm Nahrung zuführen. Auch die Temperatur wird ständig über¬wacht. Später erklären unsere Ernährungsberaterinnen Fran¬çoise, wie sie ihn mit einer Spritze und später mit einem speziellen Trinkfläschchen füttern kann. Die Waage zeigt, dass die Bemühun¬gen Früchte tragen. Paul Pascals Leben ist gerettet!

Mit 6 Monaten hat Paul Pascal beeindruckende 6,4 Kilo erreicht – mehr als drei Mal so viel als bei seiner Ankunft! Sein Zustand ist nun so stabil, dass unsere Ärz¬te ihn ein erstes Mal operieren können, um die Lippenspalte zu korrigieren. Wieder einmal wird ein Leben verändert…

Françoise weint, als die Opera¬tion vorbei ist. Aber diesmal sind es Freudentränen beim Anblick des hübschen Gesichtchens. Ihr Sohn ist kaum wiederzuerkennen! „Wenn ich nach Hause komme, den¬ken manche bestimmt, ich hätte mein Baby ausgetauscht!“, sagt sie mit einem Lächeln.
Das Wichtigste ist getan. Nun muss Paul Pascal erst einmal wachsen, bevor man die zweite Operation in Angriff nehmen kann, bei der auch die Gaumenspalte geschlossen werden soll. Oft zögern die Eltern, noch einmal zu kommen und halten es nicht für nötig, ein zweites Mal den Operationssaal aufzusuchen für ein Problem, von dem man ja nichts sieht. Doch diese Operation ist notwendig, damit das Kind normal essen und deutlich sprechen lernen kann. Zum Glück war Françoise bereit, sich auch dieser Herausforderung zu stellen: fünf Monate später vertraut sie ihr Kind noch einmal den Händen unserer Chirurgen an.

Im Mai, keine drei Wochen vor seinem ersten Geburtstag, verlassen Paul Pascal und seine Mama endgültig unser Schiff. Françoise strahlt: „Als ich ihn euch gebracht habe, habe ich nicht gedacht, dass wir einmal seinen ersten Geburtstag feiern würden. Ich werde Gott dafür danken, dass er uns so weit gebracht … und mei¬nem Kind das Leben quasi noch einmal geschenkt hat!“