Dr M’Pele im Interview

26 Juni 2020

Dr. Pierre M’Pelé war in verschiedenen afrikanischen Ländern als Repräsentant der WHO tätig, und ist unter anderem ein Experte für Epidemien in Afrika. Seit 2017 leitet der kongolesische Arzt das Afrikabüro von Mercy Ships. Wir haben ihn gefragt, welche Auswirkungen Covid bisher auf den afrikanischen Kontinent hat, sowie welche Rolle das Afrikabüro bei Mercy Ships spielt.

 

Welche Auswirkungen hat Covid-19 bisher auf den afrikanischen Kontinent gehabt?

Die Covid-19-Pandemie breitet sich in Afrika aus, am 18. Juni 2020, gab es mehr als 250’000 Fälle und mehr als 7’000 Todesfälle.

Alle 54 Länder des Kontinents sind betroffen. Elf Länder haben jeweils mehr als 5’000 Fälle gemeldet. Südafrika und Ägypten verzeichnen jeweils mehr als 50’000 Fälle, Nigeria und Ghana jeweils mehr als 10’000 Fälle.

Die Epidemie beschleunigt sich. Die Pandemie bedroht wesentliche Gesundheitsdienste aufgrund der direkt auf Covid-19 zurückzuführenden Erkrankungen und Todesfälle, aber auch und vor allem aufgrund der damit verbundenen Einschränkungen an medizinischer Versorgung in bereits geschwächten Gesundheitssystemen.

Die wirtschaftliche und soziale Belastung der Gesellschaft als Ganzes durch diese Pandemie ist bereits spürbar. Die Folgen der Lockdown-Strategien, die als Reaktion auf die Epidemie eingeführt wurden, werden erheblich sein.

Die Auswirkungen dieser Pandemie könnten auch eine destabilisierende Wirkung auf die Staaten haben und die sozio-ökonomischen Errungenschaften der letzten dreissig Jahre in Frage stellen. Die Folgen dürften für Afrika katastrophal sein, weil eine wirksame Behandlung, ein verfügbarer Impfstoff und vor allem eine angemessene Reaktion auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse fehlen.

Welche Rolle spielt das Afrikabüro bei der allgemeinen Arbeit von Mercy Ships?

Das Afrika-Büro ist der regionale Vertreter von Mercy Ships in Afrika. Das afrikanische Hauptquartier von Mercy Ships wurde 2016 in Cotonou, Republik Benin, eingerichtet. Es ist verantwortlich für die Verhandlungen, die Unterzeichnung und die Überwachung von Absichtserklärungen/Protokollen mit den Ländern, denen wir dienen. Wir unterstützen die Verantwortlichen von Mercy Ships bei der Umsetzung der Einsatzpläne in den verschiedenen Ländern. Darüber hinaus tragen wir zur Schaffung von tragfähigen Partnerschaften mit den Ländern, Interessengruppen, Führungskräften und der Bevölkerung der Länder bei, in denen wir uns engagieren.

 

Wie hat das Afrikabüro in den letzten Monaten auf die Covid-19 Situation reagiert?

Kaum hatte die Africa Mercy Ende März den Hafen von Dakar im Senegal verlassen, beauftragte Tom Stogner, CEO von Mercy Ships, das Afrika-Büro mit der Weiterführung des Dialogs mit den afrikanischen Partnerländern von Mercy Ships.

In diesem Rahmen wurden dringende Massnahmen ergriffen, um die uns nahe stehenden Länder bei den Massnahmen gegen den Covid-19 zu unterstützen. Das Afrika-Büro organisierte die Arbeit von Mercy Ships durch Spenden von Infrarot-Thermometern und persönlicher Schutzausrüstung, um das lokale medizinische Personal vor dieser Pandemie zu schützen.

Bis zum 19. Juni 2020 wurden mehr als 80‘000 persönliche Schutzausrüstungen (medizinische Brillen, FFP2-Masken, Untersuchungshandschuhe, OP-Kittel und Schuhüberzüge) den folgenden 7 Ländern zur Verfügung gestellt: Benin, Liberia, Sierra Leone, Madagaskar, Togo, Kongo und Ghana.