Interview mit Christine Sager

Christine Sager wurde im Juni 2020 in den Vorstand von Mercy Ships Schweiz gewählt. Als Amerikanerin und Schweizerin, erfahrene Diplomatengattin und engagierte Philanthropin bereichert sie den Vorstand mit einer internationalen Dimension und viel kultureller Sensibilität.

 

Sie haben sich entschieden, Mitglied des Vorstands von Mercy Ships zu werden. Was hat Sie dazu bewogen, sich mit MS zu beschäftigen?

Ich fühlte mich sehr geehrt, als ich angefragt wurde, ob ich in den Vorstand eintreten würde. Ich kannte Mercy Ships und seine Arbeit seit etwa 5 Jahren, aber erst als ich letztes Jahr an einer Veranstaltung teilnahm, verstand ich die ganze Tragweite und die Auswirkungen der Arbeit von Mercy Ships.

Ich war zutiefst berührt von den Geschichten von Menschen, deren Leben durch die Operationen verändert wurde, die auf den Spitalschiffen durchgeführt werden. Es handelt sich um Menschen mit äusserst geringen finanziellen Mitteln, die von Geburt an durch Missbildungen, Unfälle oder Krankheiten behindert sind, die sie der Fähigkeit berauben, zu arbeiten oder anderweitig ein “normales” Leben zu führen.

Die medizinische Behandlung, die sie bei Mercy Ships erhalten, erfüllt sie mit Hoffnung auf einen Neuanfang. Und dies ist zu einem grossen Teil auf die Grosszügigkeit von Hunderten von Freiwilligen zurückzuführen, von erfahrenen Medizinern bis hin zu Studenten, die alle die Fähigkeiten und Dienste anbieten, die für den Betrieb eines Krankenhauses mit vollem Service auf dem Wasser erforderlich sind. Es gibt nichts, was emotional mehr bewegt als Menschen, die den Menschen etwas geben.

 

Wie nehmen Sie die Organisation heute wahr?

Ein Aspekt der Organisation, den ich schätze, ist die Vision von Mercy Ships, einen langfristigen Beitrag für die Regionen zu leisten, in denen sie tätig ist. Durch die Zusammenarbeit mit den lokalen Regierungen und Institutionen erhalten medizinische Fachkräfte und andere im Gesundheitswesen Tätige eine Weiterbildung, damit sie auch nach der Abreise des Spitalschiffs eine qualitativ hochwertige Versorgung anbieten können. Dieser Wissenstransfer führt zu einer nachhaltigen Entwicklung der Gesundheitssysteme.

Ich bin beeindruckt von der soliden Geschichte der Organisation mit ihren loyalen Mitarbeitenden, darunter ein starker Vorstand mit Mitgliedern, die seit vielen Jahren unermüdlich im Einsatz stehen. In meinen Interaktionen mit dem Führungsteam von Mercy Ships hat mich ihre Effizienz und Kreativität beeindruckt, was mich sehr zuversichtlich stimmt, dass es auch den Sturm von Covid 19 erfolgreich überstehen wird.

 

Sie haben vielen Jahre als Diplomatengattin gewirkt. Was hat diese Rolle für Ihren Alltag bedeutet?

Mein Mann und ich haben die letzten 30 Jahre damit verbracht, alle 3 bis 4 Jahre umzuziehen. Das hat mich gelehrt, flexibel zu sein und mich schnell anzupassen. Es war ein Lebensstil, der zwar interessant war, aber auch Herausforderungen für die persönliche Entwicklung mit sich brachte.

Obwohl ich keine “normale” Karriere machen konnte, konnte ich in vielen verschiedenen Bereichen arbeiten und meinen Horizont erweitern. Ich arbeitete in den Bereichen Tourismus und «Relocation», absolvierte einen Master-Abschluss in englischem Sprachunterricht und arbeitete dann viele Jahre lang als Lehrerin. Ich übernahm verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten (Bekämpfung des Menschenhandels, Unterstützung von Flüchtlingen usw.) und gründete sogar meine eigene gemeinnützige Organisation in London, um die Werke talentierter Künstler aus Zentralasien zu fördern und zu vermarkten.

Und ja, als Teil meiner Tätigkeit als diplomatische Ehefrau organisierte ich offizielle Abendessen und war mit meinem Mann zusammen Gastgeberin. Wir sind von den vielen inspirierenden Menschen, die wir auf unserem Weg getroffen haben, sehr gesegnet worden.

 

Christine Sager, Sie haben im Laufe der Jahre verschiedene Funktionen im Kampf für soziale Gleichheit/Gerechtigkeit übernommen. Warum liegt Ihnen dieses Thema besonders am Herzen?

Soziale Gerechtigkeit und Gleichheit sind nicht nur ein moralisches Gebot; sie führen auch zu mehr politischer und wirtschaftlicher Stabilität. Im Laufe der Jahre habe ich mich vor allem mit Organisationen beschäftigt, die den Schwachen eine helfende Hand reichen: Menschen, die Opfer ihres sozio-politischen Umfelds waren.

Auch wenn das Leben oft ungerecht erscheinen mag, darf es nie der Menschenwürde beraubt werden. Wenn es bedroht ist, liegt es in unserer Verantwortung, zu helfen, indem wir denen, die benachteiligt sind, und ihren Familien eine bessere Chance im Leben als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft geben, die vielleicht sogar eines Tages in der Lage sein werden, anderen zu helfen.

 

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