Sonja

Durch einen Vortrag wurde ich aufmerksam auf Mercy Ships. Im Januar 2017 hatte es dann geklappt und wir reisten zu dritt nach Cotonou, der Hafenstadt im westafrikanischen Land Benin, wo das Schiff während 9 Monaten stationiert war. Unser Einsatz dauerte 2 Wochen.

Auf dem Schiff gibt es eine gute Infrastruktur nach europäischem Standard. Wir waren in einer Kabine mit vier Personen untergebracht. Frühstück und Abendessen wurden an Bord eingenommen, mittags gab es einen kleinen Lunch in der Klinik. Die Zahnklinik war ausserhalb vom Schiff stationiert in den Räumlichkeiten eines Spitals. Jeden Morgen fuhren wir mit zwei Autos und dem Material zur Zahnklinik, die etwa 45 Minuten vom Schiff entfernt war. Die Zahnklinik ist von Montag bis Freitag geöffnet.

Jeweils am Montag fand eine «Triage» statt, eine Art Voruntersuchung bei der es darum ging, die dringendsten Fälle herauszufiltern. Jeder Patient erhielt einen ungefähren «Termin», meistens sogar noch innerhalb derselben Woche. Die meisten von ihnen waren zuvor noch nie bei einem Zahnarzt. Im Wartesaal wurden die Leute von den einheimischen Übersetzern (Dayworker) aufgeklärt über die Ursachen von Karies, richtige Ernährung und Mundhygiene. Unser Team bestand aus fünf Zahnärzten, drei Dentalassistentinnen und einigen Dayworker.

Die Klinik war mit gutem Material ausgestattet und bestand aus einem grossen Raum mit sechs Behandlungsstühlen und vier mobilen Sauganlagen mit jeweils zwei Saugschläuchen. Neben dem Materialraum gab es einen Sterilisationsraum, in dem die gebrauchten Instrumente wieder gewaschen, neu verpackt und sterilisiert wurden.

Wenn ein Patient das erste Mal zu uns kam, wurde eine Anamnese und Befundaufnahme gemacht: Bei der ersten Sitzung ging es vor allem darum, Schmerzen möglichst schnell zu lindern und vorhandene Entzündungen zu eliminieren. Falls nötig erhielten die Patienten auch Medikamente und Schmerzmittel.

Leider mussten wir sehr oft Zähne extrahieren oder abgefaulte Zahnwurzeln entfernen, da die Entzündung teilweise bereits bis zum Knochen hin fortgeschritten war und sich an den Wurzeln bereits Granulome gebildet hatten. Dies führte nicht selten zu recht schwierigen und langandauernden Sitzungen, da die Wurzeln der kariösen Zähne oft frakturierten.

Für mich war es eine grossartige und unvergessliche Zeit auf dem Schiff. Die Arbeit hat mir sehr viel Spass gemacht und wir hatten ein tolles Team. Die Begegnungen mit Einheimischen haben mich sehr berührt und es wurde mir einmal mehr bewusst, wie gut es uns eigentlich geht und dass wir dies auch schätzen müssen.