Marina

Marina Schmid, seit 2016 ehrenamtlich an Bord der Africa Mercy, blieb nicht verschont von den Auswirkungen der Pandemie. Im März 2020 musste sie innerhalb von 3 Tagen das Schiff verlassen, um noch den letzten regulären Flug von Dakar nach Europa zu erwischen.

Marina, was waren deine Aufgaben an Bord und was machst du heute in der Schweiz?

Ich war Projekt-Managerin für das Weiterbildungs- und MentoringProgramm (MCB) von Mercy Ships. Meine Aufgabe war es, Kurse zu organisieren und durchzuführen mit der Hilfe von einem Team aus Einheimischen sowie Kurslehrern aus verschiedenen Ländern. Nach der plötzlichen Rückkehr in die Schweiz und nachdem der erste grosse Schock verdaut war und ich realisieren musste, dass ich nicht, wie erhofft, bald aufs Schiff zurückkehren kann, bin ich temporär in meinen angestammten Beruf als Medizinische Praxisassistentin zurückgekehrt. Zurzeit arbeite ich bis zur definitiven Rückkehr nach Afrika in einem CoronaTestzentrum. Das gibt mir die Möglichkeit, zwischendurch Kurzeinsätze in Afrika zu machen.

Wie kannst du dich im Moment noch für Mercy Ships engagieren?

Das MCB ist grundsätzlich unabhängig vom Spitalschiff. Daher bieten wir im Moment möglichst viele Ausbildungs-Programme (auch Online) in verschiedenen afrikanischen Ländern an. Corona macht uns die Arbeit nicht einfach. Aber wir wollen diese Zeit als Chance sehen und legen jetzt vermehrt Gewicht auf die Ausbildung einheimischer Fachkräfte, was die Nachhaltigkeit unserer Arbeit zusätzlich fördert!

Was war das Ziel von deinem kürzlichen Einsatz in Benin?

Wir organisierten im April einen Kurs zum Thema „Grundlagen der Schmerzbehandlung» für einheimisches medizinisches Personal. Eine Ärztin aus Grossbritannien unterstützte die Fakultät über Zoom. Eine einheimische Chirurgin, die sich schon lange für Mercy Ships einsetzt, unterrichtete zusammen mit einem Kollegen. Die organisatorische Leitung übernahm ein Mercy Ships-Mitarbeiter aus Benin. Meine Aufgabe war, ihn in die neue Aufgabe als Projektverantwortlicher vor Ort einzuführen.

Was waren für dich die Highlights?

Für mich war es besonders ermutigend, dass der Kurs fast ausschliesslich von Einheimischen für Einheimische organisiert war. Das ist unser Ziel! Als wichtigen Teil der Kurswoche haben wir auch dieses Mal ein ToT (Training of Trainers) durchgeführt. Teilnehmer werden zu Lehrern für zukünftige Kurse ausgebildet, indem sie einen Teil des Kurses mit Unterstützung erfahreneren Kursleiter übernehmen. Wir wollen sie befähigen, das neu gewonnene Wissen in ihren Spitälern ihrem Team und Kollegen weiterzugeben und selbst Kurse zu organisieren.

Welche Vorteile hat es für die Ausbildungsprogramme, ein Spitalschiff vor Ort zu haben?

Das Schiff vor Ort zu haben macht uns die Arbeit vor allem von organisatorischer Seite einfacher. Materialien sind auf dem Schiff einfacher verfügbar, fachliche und personelle Unterstützung ist jederzeit möglich. Für mich selbst ist auch die Gemeinschaft der Crew ein wichtiger Punkt, der einen immer wieder neu ermutigt und motiviert. Es ist genial zu sehen, wie ein grosses Schiff mit so vielen Leuten funktioniert, weil jeder sein Bestes gibt.

Was ist deine liebste MCB-Geschichte?

Im Januar 2020 wurde ich von einer jungen Chirurgin in einem Restaurant in Dakar spontan angesprochen: sie hatte das Mercy Ships-Auto auf der Strasse gesehen. Wie sich herausstellte, kannte die ursprünglich aus Kamerun stammende Ärztin Mercy Ships bereits und hoffte schon länger, in ein Ausbildungsprogramm aufgenommen zu werden, was bald darauf geschah. Sie zeigte stets eine grosse Wissbegierde und selbst in den Pausen sah man sie noch üben. Es ist ihr ein grosses Anliegen, eine bessere medizinische Behandlung für Patienten in Afrika zu erreichen. Genau solche Menschen wollen wir befähigen und ihnen den Rücken stärken. Die Investition in die Nachhaltigkeit braucht Zeit und Geduld, aber lohnt sich allemal.

Wie sieht deine Zukunft mit Mercy Ships aus?

Einiges ist in Planung, vieles noch unsicher. Ich werde diesen Sommer in Senegal mithelfen, eine Schulung zum Thema Palliativbetreuung durchzuführen und direkt anschliessend einen chirurgischen Kurs in Benin. Im Herbst sind 2 Anästhesie-Kurse in Südafrika geplant und Ende Jahr Kurse zur Wiederbelebung von Neugeborenen in Liberia. Ich bin auch sehr gespannt auf das neue Schiff. Auch nach fast 5 Jahren mit Mercy Ships sehe ich es immer noch als grosses Privileg, in diese grossartige Arbeit involviert zu sein und ich bin gespannt, was Gott noch Grosses geplant hat in Afrika und mit Mercy Ships.

 

Janina Tobler

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Janina Tobler

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