Schweizer Zahnärzte bilden Studenten in Guinea aus

Die dentalmedizinische Gruppe Ardentis und Mercy Ships spannen zusammen, um die praktische Ausbildung von jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten in Guinea zu fördern.

Im Jahr Frühjahr 2020 konnte Mercy Ships mit Ardentis einen motivierten und engagierten Unternehmenspartner vorstellen. Die Pandemie verunmöglichte dann die ursprünglichen Pläne, periodisch Schweizer Dental-Teams nach Westafrika zu schicken, um als Teil der internationalen Mercy Ships Crew zahnärztliche Eingriffe für mittellose Patienten durchzuführen.

Die corona-bedingten Reisesperren haben zu neuen, virtuellen Formen des praktischen Engagements geführt: das Online-Mentoring direkt während einer Zahnbehandlung. Die fortschrittliche Technik der Telemedizin und der Einsatz von Mikrokameras machen es heute möglich, dass Zahnärzte in der Schweiz gemeinsam mit ihren jungen afrikanischen Kollegen unseren Patienten in Conakry, Guinea direkt in den Mund schauen und dabei einen fachlichen Austausch pflegen, während letzterer einen Karies behandelt oder einen Abszess operiert.

Diese neuartige Form des fachlichen Mentorings ist vielleicht wegweisend für zukünftige Partnerschaften. Lesen Sie hier mehr darüber.

Doppelte Partnerschaft mit Ardentis und der Gamal Universität

Im Mai 2018 äusserte die Gamal Abdul Nasser Universität von Conakry den Wunsch nach einem Bereich für die praktische Ausbildung der Studenten ihrer zahnmedizinischen Fakultät, der einzigen, die in Guinea existiert. Professor Diallo setzte alles daran, dass eine Zusammenarbeit zustande kam. Mercy Ships renovierte das Gebäude und stattete auch die erste Etage der Schulungsräume aus.

Während des zehnmonatigen Einsatzes in Guinea nutzte Mercy Ships die Schule als Zahnklinik und wählte sorgfältig vier Studenten für ein sechsmonatiges Mentorenprogramm aus, um ihre klinischen und Führungsfähigkeiten zu entwickeln. Während ihrer Mentoren Schaft führte Mercy Ships mit diesen Studenten 5’554 zahnärztliche Eingriffe an 1’270 Patienten durch.

Doch mit der Abfahrt des Schiffes ist die Unterstützung noch nicht vorbei! Der ehemalige Mercy Ships-Chefzahnarzt, Dr. David Ugai, ist in Guinea geblieben und arbeitet mit den Lehrern der Gamal-Universität an der Ausbildung. In Zusammenarbeit mit der «World Telehealth Initiative» richten sie ein Onlinesystem mit drei verschiedenen intraoralen Kameras ein. Mit diesen Spezialkameras können Zahnexperten aus aller Welt direkt in den Mund des Patienten sehen, den der Zahnmedizinstudent gerade behandelt.

 

Ardentis, eine Schweizer Partnerschaft

Für die Studenten der Universität werden auch Videokonferenzkurse organisiert. Unter den Referenten sind auch Mitarbeiter unseres Partners, der Ardentis Zahnkliniken.

12 Zahnärzte widmen einen Teil ihrer Zeit der Weitergabe ihres Wissens. Zwischen dem 1. Mai 2020 und Juni 2021 wurden mehr als 20 Fernkurse durchgeführt. Weitere Sitzungen sind geplant.

Dieses Programm wird lokale Kapazitäten aufbauen und eine nachhaltige Wirkung erzielen. Damit wird sichergestellt, dass der Bedarf des Landes langfristig gedeckt ist.

 


Erfahrungsbericht eines Studenten: Amadou

Früher absolvierten Zahnmedizinstudenten ihren Abschluss ohne jegliche praktische Erfahrung. Amadou ist einer der ersten Teilnehmer an der praktischen klinischen Ausbildung, die von Mercy Ships und der Gamal Universität angeboten wird.

„Ich habe mich entschieden, Zahnarzt zu werden, weil ich den immensen Bedarf hier in Guinea gesehen habe. Ich komme aus einem abgelegenen Dorf, weit weg von jeder Stadt. In der Gegend gibt es keine Zahnärzte.

Als ich die Ausbildung zum Zahnarzt an der Gamal-Universität begann, gab es nur theoretische Kurse. Die Lehrer selbst hatten die Methoden, die sie uns beibringen sollten, oft nie praktiziert.

Als die Universitätsabteilung uns mitteilte, dass Mercy Ships das Ausbildungsgebäude renovieren und kieferorthopädische Geräte für die praktische Ausbildung installieren würde, waren wir alle sehr ermutigt!

Ich konnte als einer der ersten Teilnehmer an diesen Kursen teilnehmen, und jetzt können wir nicht nur an der Simulation teilnehmen, sondern die Theorie auch in die Praxis umsetzen, indem wir Patienten versorgen! Und natürlich profitiert auch hier die Bevölkerung von einer hochwertigen Versorgung!“ 

 

Erfahrungsbericht eines Ausbilders: Dr. med. dent. Rodrigo Martin Cabezas

Dr. med. dent. Rodrigo Martin Cabezas, dentiste aux Cliniques Ardentis de Vevey (VD) et Collombey (VS).

„Ich bin Zahnarzt mit Spezialisierung auf Parodontologie, und genau das habe ich diesen Studenten aus Guinea vermittelt. Wir boten eine Videokonferenzschulung anhand konkreter klinischer Fälle an: Anhand von Fotos und Röntgenbildern besprachen wir die Untersuchung, Diagnose und Behandlung verschiedener Zahnfleischerkrankungen. Die Studenten waren sehr engagiert.

Natürlich mussten wir die Ausbildung an das medizinische Umfeld dieser Studenten anpassen, die nicht über die gleichen Ressourcen verfügen wie wir in der Schweiz. Das hat uns dazu angeregt, die grundlegenden Konzepte beizubehalten und sie so weit wie möglich zu vereinfachen.

Die Art dieses Ausbildungsprojekts hat mich sofort angesprochen, als ich gefragt wurde, ob ich mitmachen möchte. Die Ausbildung von einheimischen Zahnärzten ist meiner Meinung nach dem besten Weg, ein Land langfristig zu unterstützen.“

Patientengeschichten

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„Was mich am meisten beeindruckt, ist die Zusammenarbeit mit Personen aus über 40 Nationen.

Alle haben dasselbe Ziel: den Armen zu helfen”.

Daniel Florin – Dentist