Schuhe als Symbol eines neuen Lebens
Abubakarrs Geschichte
Schon bei seinen ersten Schritten war klar, dass Abubakarr niemals normale Schuhe tragen können würde. Bewegungen, die für die meisten Kinder selbstverständlich sind wie Rennen oder Springen, waren für den sechsjährigen Jungen aus Sierra Leone unerreichbar. Abubakarr wurde mit einem zusätzlichen Zeh an jedem Fuss geboren.
Abubakarr stammt aus der Stadt Kabala im Norden des Landes. Dort lebte er mit seinen Eltern, bis seine Mutter schwer erkrankte und verstarb. Er war erst fünf Jahre alt, als seine Grossmutter Adama die Verantwortung für seine Erziehung übernahm.
„Er umarmt mich jedes Mal fest, wenn ich nach Hause komme“, erzählt Adama über die liebevolle Art ihres Enkels. Seine Tante Muminatu ergänzt bewundernd: „Abubakarr ist ein kluger, freundlicher und offener Junge. Er hat ein grosses Herz und geht sehr gerne auf andere Menschen zu.“
Umgeben von viel Liebe konnte Abubakarr eine fröhliche und positive Persönlichkeit entwickeln. Trotz der körperlichen Herausforderungen, mit denen er seit seiner Geburt lebt, haben ihm die Wärme und Fürsorge seiner Familie geholfen, zu einem widerstandsfähigen und lebensfrohen Jungen heranzuwachsen.
Der lange Weg zu passenden Schuhen
Für den jungen Abubakarr waren Schuhe lange Zeit eine schmerzhafte Erinnerung daran, dass er anders war. Der Anblick seiner Freunde, wie sie ihre Schnürsenkel banden, brachte ihn oft zum Weinen. „Wenn er die anderen Kinder mit Schuhen sieht, kommt er weinend zu mir“, erzählt Adama. „Dann sagt er: Grossmutter, schau, alle meine Klassenkameraden haben Schuhe – ich aber nicht.“ Er war anders als die anderen Kinder in seiner Klasse, und einige hänselten ihn deswegen.
Geschlossene schwarze Schuhe gehören zur Schuluniform. Für Abubakarr jedoch war das unmöglich – seine Füsse passten in kein einziges Paar herkömmlicher Schuhe. „Er konnte nur Sandalen tragen“, erklärt Muminatu. „Und dafür wurde er von seinen Mitschülern verspottet.“
Doch nicht nur die Sandalen unterschieden ihn von den anderen Kindern. Auch das Rennen fiel Abubakarr schwer. „Wenn er versucht zu laufen, stossen seine Füsse aneinander und er fällt hin“, berichtet Adama. „Selbst im Sportunterricht möchte er unbedingt mitmachen, doch sobald er zu rennen beginnt, stolpert er und stürzt.“
Um ihm dennoch passende Schuhe zu ermöglichen, zeigte sich seine Familie erfinderisch. Sie kaufte Schuhe aus Schaumstoff und schnitt mit einem Messer vorsichtig Öffnungen hinein, um Platz für seine zusätzlichen Zehen zu schaffen.
Wie Mundpropaganda Abubakarr zu Mercy Ships führte
Bei einem Gespräch mit der Nachbarin Binta erfuhr Muminatu von der Arbeit von Mercy Ships. Bintas achtjährige Tochter hatte während des vorherigen Besuchs des Schiffs in Sierra Leone eine orthopädische Operation an Bord der Global Mercy erhalten. „Ich war froh, mit anderen über Mercy Ships zu sprechen, weil sie so Wunderbares für meine Tochter getan hatten“, erzählt Binta. Ermutigt durch dieses Zeugnis meldete Muminatu Abubakarr für eine Operation an.
An Bord der Global Mercy wurde bei Abubakarr eine Polydaktylie diagnostiziert – eine angeborene Fehlbildung, bei der zusätzliche Finger oder Zehen vorhanden sind.
Dr. Tjeerd de Jong, niederländischer plastischer Chirurg und ehrenamtlich tätig, erklärt, dass solche Fälle in Ländern mit gut ausgebauten Gesundheitssystemen meist schon im frühen Kindesalter korrigiert werden. In Sierra Leone hingegen sei der Zugang zu chirurgischer Versorgung stark eingeschränkt, und „solche Behandlungen sind hier nur sehr schwer zu bekommen“.
Schliesslich konnte Abubakarr eine 90-minütige Operation erhalten. „Als die Verbände zum ersten Mal abgenommen wurden und ich Abubakarrs Füsse sah, war ich überglücklich!“, strahlte seine Tante Muminatu.
Ein neues Paar Schuhe für Abubakarr
Abubakarrs Rehabilitation dauerte zwei Wochen und konzentrierte sich darauf, seine Kraft, sein Gleichgewicht und seine Beweglichkeit durch gezielte Übungen und spielerische Therapiesitzungen zu verbessern.
Bevor er die Global Mercy verliess, bereitete das Kommunikationsteam ihm noch eine letzte Überraschung: ein brandneues Paar Schuhe, nur für ihn! „Heute habe ich ein neues Paar Schuhe bekommen, und ich bin so glücklich. Zum ersten Mal kann ich geschlossene Schuhe tragen!“, rief Abubakarr stolz aus.
Heute ist Abubakarr topfit. „Er rennt, spielt Fussball mit seinen Freunden und fällt nicht mehr hin“, betont Adama. Muminatu hegt grosse Träume für die Zukunft ihres Neffen: „Ich möchte, dass Abubakarr zu jemandem wird, den andere bewundern.“
Und Abubakarr selbst? „Ich kann jetzt zur Schule gehen, und niemand wird sich über mich lustig machen“, sagt er lächelnd.
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