Amina, Jacques, Marie und Elodie

2001 operierten die Mitarbeiter auf unserem ersten Spitalschiff die junge Amina (kleines Bild) am Grauen Star und gaben ihr so nicht nur die Sehkraft wieder, sondern auch eine ganz neue Zukunftsperspektive. Doch wer hätte gedacht, dass sich unsere Wege 2017 wieder kreuzen und wir ihr Leben noch einmal verändern würden?

„Wenn Sie mich nicht operiert hätten, als ich 13 war, würde ich heute vermutlich auf der Strasse betteln! “ Amina ist sich bewusst, dass ihr Leben durch die Operation, die damals an Bord unseres alten Spitalschiffs, der Anastasis, durchgeführt wurde, eine ganz neue Richtung genommen hat: Sie lernte Leonard kennen, die beiden heirateten und bekamen vier Kinder.
Hier hätte die Geschichte enden können, aber ein unerwarteter Rückschlag hat das Bild getrübt. Aminas Sohn Jacques ist 2 Jahre alt, als er Probleme mit dem Sehen bekommt.

Zunächst hindert ihn das nicht daran, mit den anderen Kindern zu spielen, aber beim Schulanfang wird es schwierig. Mit 8 Jahren kann er kaum lesen oder schreiben. Die Noten werden immer schlechter und schliesslich muss er die Schule verlassen.
Ein Arzt erklärt, was Fakt ist: grauer Star auf beiden Augen, wie vor fünfzehn Jahren bei der Mama! Eine Operation könnte helfen, hat aber ihren Preis: 200’000 CFA Franken (etwa 350 Schweizer Franken).

Etwa zur selben Zeit merken die Eltern, dass die Blicke der jüngsten Tochter, Elodie, in alle Richtungen gehen, aber nur selten ihren Blick kreuzen. Es gibt keinen Zweifel, sie eifert ihrem grossen Bruder nach. Angesichts dieser bitteren Erkenntnis beginnt die Familie, Geld für zwei Operationen zur Seite zu legen. Der Lohn von Leonard, er ist Schreiner, ist nicht sehr gross, und die paar Krapfen, die Amina auf dem Markt verkauft, machen die Sache auch nicht viel besser.

Und dann kommt der Tag, wo sich alle ihre Bemühungen in Luft auflösen. Der Grossvater stirbt und das Wenige, das die Familie gespart hat, wird gebraucht, um die Beerdigung zu bezahlen…

Am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen, beten Amina und ihr Mann um ein Wunder. Dies nimmt 2017 Gestalt an, als ein Augenteam von Mercy Ships in ihr Dorf kommt und seine Beratungen anbietet. Diese unglaubliche Gelegenheit will sich die Familie trotz des grossen Ansturms nicht entgehen lassen. Sie übernachten vor Ort, um sich einen Platz in der Warteschlange zu sichern. Und tatsächlich bekommen Jacques und Elodie am nächsten Tag einen Termin für eine kostenlose Operation!

Weil unsere Mitarbeiter den Verdacht hegen, dass es sich um ein vererbtes Problem handelt, untersuchen sie auch die 6-jährige Marie und den kleinen Bernard, der erst ein paar Monate alt ist. Seine Augen zeigen keine Auffälligkeiten, aber bei Marie ist ein beidseitiger Katarakt am Entstehen und so wird auch sie zur Patientin. Mit drei Terminkarten in der Hand ist Amina ausser sich vor Freude und zweifelt keinen Moment an einem glücklichen Ausgang: „Meine Operation ist sehr gut verlaufen, deshalb habe ich auch für sie keine Angst.“

Alle drei Kinder werden am selben Tag auf der Africa Mercy operiert. Seitdem hat sich ihr Sehvermögen immer weiter verbessert und die Familie blickt wieder gelassen in die Zukunft. Jacques geht wieder in die Schule und die beiden Schwestern werden ihm bald folgen, ohne Angst vor irgendwelchen Hindernissen.

Eine andere Geschichte

Vor 2 Jahren wurde William wegen Grauem Star blind. Nach einer Operation freute er sich: „Ich sehe meinen Sohn!“

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Im Namen der Bürgerinnen und Bürger von Liberia möchte ich allen ehrenamtlichen Mitarbeiter aus der ganzen Welt herzlich danken. Durch ihren unermüdlichen Einsatz haben sie unzähligen Armen und Bedürftigen in Liberia Hilfe und Trost geleistet. Ihre Arbeit zeigt nicht nur Mitgefühl und Hilfe, sondern steht für eine Welt, die zu einem globalen Dorf ohne ethnische und soziale Grenzen wird. Das Volk von Liberia ist voller Dankbarkeit.
Ellen Johnson Sirleaf - Präsidentin, Liberia