Zackarias Geschichte

Die Welt von Zackaria sah schon immer ziemlich eintönig aus. Sieben Jahre lang konnte er nur vage Umrisse und gedämpfte Farben erkennen. Eine Sehstörung plagte ihn Tag für Tag und es fiel ihm nicht leicht, seinen traurigen Zustand anzunehmen. Aber an dem Tag, an dem er mit seiner Mama vor der Africa Mercy steht – diesem riesigen Gebilde, das er kaum erkennen kann, sind alle Hoffnungen erlaubt.

„Mama, machen sie die Sachen in meinen Augen weg?“ Seit Zackaria in Ziguinchor in Senegal einem Team von Mercy Ships begegnet ist, haben sich seine Zukunftsaussichten beträchtlich aufgehellt. Er kann es kaum erwarten, bis er die „Dinger“ in seinen Augen, die ihm das Leben verderben, endlich loswird. Ständig fragt er seine Mama, wie viele Tage es noch dauert, bis sie zum Spitalschiff können – noch 59 Tage … 58 … 57 …

Binta hatte schon lange alle Hoffnung auf ein normales Leben aufgegeben. Schon kurz nach der Geburt von Zackaria befürchtete sie das Schlimmste. In den Augen des Neugeborenen zeigten sich zwei kleine weisse Flecken, die nichts Gutes verhiessen. Ja, eigentlich wusste Binta genau, was los war. Elimane, ihr 13-jähriger Erstgeborener, hatte bei der Geburt genau solche Flecken in den Augen. In seinem ersten Lebensjahr wurde er sogar in einem örtlichen Spital operiert. Aber die Operation hatte keine Besserung gebracht, seine Sehkraft war hoffnungslos getrübt.

Der Graue Star ist eine Sehstörung, die bei Neugeborenen äusserst selten vorkommt, bei älteren Menschen aber sehr verbreitet ist. In der Schweiz werden jedes Jahr rund 25’000 Staroperationen durchgeführt. In Afrika sieht die Situation völlig anders aus! Für eine Mutter mit fünf Kindern – davon zwei mit Sehbehinderung – ist der Alltag ziemlich kompliziert. Binta war bald am Ende ihrer Kräfte und rief um Hilfe. Grossmutter Mariama sprang ein und nahm die beiden Jungs unter ihre Fittiche bei sich zu Hause in Ziguinchor, der Hauptstadt der Provinz Casamance. Und dort, bei einem Besuch bei ihren Kindern, erfuhr Binta, dass ein Team von Mercy Ships im Ort sei, um Patienten auszuwählen.

Als Binta mit Elimane und Zackaria zur Voruntersuchung erscheint, ist sie voller Hoffnung, dass sie bald ein normales Leben führen können. Doch dann kommt die kalte Dusche. Elimane ist schon zu lange blind. Seine Sehnerven waren so lange inaktiv, dass eine Operation keine Hilfe bringen kann. Der Mangel an qualifizierter medizinischer Hilfe hat eine schmerzliche Realität geschaffen. Für die Augen von Zackaria gibt es jedoch einen Hoffnungsschimmer und der kleine Junge wird für eine Operation vorgesehen.

Noch 3 Tage … 2… noch einer! Innerhalb von zwanzig Minuten korrigiert Dr. Glenn Strauss das Problem. Am Tag nach der Operation werden die Verbände abgenommen. Fasziniert betrachtet Zackaria das Gesicht, oder besser die Nase, die Ohren, den Bart und die Brille des Mannes, der ihm das Augenlicht geschenkt hat!

Seine Sehfähigkeit muss sich noch ausbilden und sein Gehirn muss lernen, die Signale, welche die Sehnerven ihm senden, korrekt zu interpretieren. Dr. Strauss ist zuversichtlich. Die nächsten Monate werden zwar sicher intensiv mit all dem vielen Neuen, das es zu entdecken gibt! Aber Zackaria leistet sich schon jetzt den Luxus, unter den kritischen Augen seiner Gegnerin eine Partie Pétanque zu spielen!

Eine andere Geschichte

Vor 2 Jahren wurde William wegen Grauem Star blind. Nach einer Operation freute er sich: „Ich sehe meinen Sohn!“

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Im Namen der Bürgerinnen und Bürger von Liberia möchte ich allen ehrenamtlichen Mitarbeiter aus der ganzen Welt herzlich danken. Durch ihren unermüdlichen Einsatz haben sie unzähligen Armen und Bedürftigen in Liberia Hilfe und Trost geleistet. Ihre Arbeit zeigt nicht nur Mitgefühl und Hilfe, sondern steht für eine Welt, die zu einem globalen Dorf ohne ethnische und soziale Grenzen wird. Das Volk von Liberia ist voller Dankbarkeit.
Ellen Johnson Sirleaf - Präsidentin (2006-2018), Liberia