Hounsigbos Geschichte

Im Halbdunkel einer kleinen Lehmhütte wartet eine Frau in ihren Siebzigern geduldig darauf, dass ihr Enkel Louis vorbeikommt. Hier verbringt Hounsigbo ihre Tage und wartet täglich darauf, dass Louis kommt, um sie zu begleiten, ihr Essen zu bringen oder ihr die neuesten Nachrichten zu überbringen.

Hounsigbo hatte das Pech, nach und nach das Augenlicht zu verlieren. Seit drei Jahren herrscht völliger Nebel, und sie ist vollständig auf die Hilfe ihrer Familie angewiesen, um zu überleben. „Jemand wie ich, aber ohne die Unterstützung seiner Kinder, wäre sicher bereits tot!“

Ihre Geschichte ist nicht einzigartig. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass es allein in Afrika südlich der Sahara fast sechs Millionen blinde Menschen gibt. Und eigentlich wäre es innerhalb weniger Minuten möglich, vielen an grauem Star (Katarakt) leidenden Menschen das Augenlicht zurückzugeben.

Eines Tages erhält Hounsigbo über ihren Enkel Louis die interessante Nachricht, dass ein Team von Augenärzten in die Nachbarstadt gekommen ist. Das Team von Dr. Wodomé ist im Rahmen einer Katarakt-Screening-Kampagne unterwegs, die mit Unterstützung von Mercy Ships durchgeführt wird. Ziel ist es, bis zu 2‘000 Operationen für die Menschen in den abgelegenen Regionen Togos durchzuführen.

Hounsigbo hat schon von diesem landesweit bekannten Chirurgen gehört, aber sie bezweifelt, dass sie sich den Luxus einer Operation leisten kann. Louis muss daher darauf bestehen, dass sie ihn begleitet… in der Hoffnung, dass die Ärzte eine günstige Prognose stellen und die Operation nicht zu teuer wird.

Inmitten mehrerer anderen Patienten wartet Hounsigbo geduldig, bis sie an der Reihe ist. Endlich die Diagnose: Sie leidet tatsächlich an grauem Star und kommt daher für eine Operation in Frage. Drei Tage später wird sie in die Klinik von Dr. Wodomé in Lomé einbestellt, und alle Kosten, einschliesslich der Fahrt, werden ihr bezahlt. Louis‘ Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt!

In den erfahrenen Händen von Dr. Wodomé wagt Hounsigbo nicht einmal, sich auszumalen, wie es weitergehen soll. Wird sie endlich wieder sehen können? Nach etwa 15 Minuten werden Hounsigbos Augen verbunden und nun muss sie geduldig warten. Als ihr am nächsten Tag der Augenverband abgenommen wird, kann sie wieder sehen – und da muss sie Dr. Wodomé einfach umarmen!

Zurück im Dorf wird gefeiert! Hounsigbo ist nun frei, ihren Platz in der Familie wieder einzunehmen. „Ich habe die Gnade erfahren, wieder zu leben“, sagt sie. „Danke, und möge Gott Ihnen die Mittel geben, um anderen Menschen wie mir zu helfen!“

„Ich gratuliere Mercy Ships von ganzem Herzen zu deren Bestrebungen, mit ihrer Entwicklungsarbeit nachhaltige Veränderungen in eine Welt voller Not zu bringen. Mercy Ships hat sich der Vision verpflichtet, mit Hoffnung und Heilung den Kontinent Afrika wieder aufleben zu lassen. [...] Ich bewundere die Vision und Mission von Mercy Ships und lade Sie ein, mit mir zusammen deren ehrenvolle Arbeit zu unterstützen und dazu beizutragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.“
Nelson Mandela (1918–2013)